Laborsicherheit
Lernhilfe

Alles aus Teil 1 (Sicheres Arbeiten im Labor) und Teil 2 (Chemikalien – Umgang und Entsorgung): die Geräte mit Bildern, die Gefahrenpiktogramme, die wichtigsten Fakten und ein Selbsttest.

Geräte und Ausrüstung

Alle in den beiden Foliensätzen abgebildeten Geräte: was sie sind und welche Sicherheitsregel dazugehört. Im Karteikartenmodus werden die Namen ausgeblendet – tippe auf eine Karte, um dich zu überprüfen.

Persönliche Schutzausrüstung (PSA)

Labormantel

Labormantel

Mantel ca. bis zu den Knien, lange Ärmel mit eher engen Bünden, aus Baumwoll- bzw. Mischgewebe. Verschließbar, leicht und von vorne zu öffnen, reichlich mit Taschen.

Verpflichtend beim Arbeiten im Laborsaal. Keine leicht schmelzenden oder elektrostatisch aufladbaren Kunstfasern. Nicht außerhalb des Laborsaals tragen (Aufenthaltsraum, Bibliothek, Kaffeehaus …).

Schutzbrille

Schutzbrille

Brille mit seitlichem Spritzschutz. Für Brillenträger gibt es spezielle Schutzbrillen, die über der Alltagsbrille getragen werden.

Pflicht während des gesamten Aufenthalts im Labor, auch für Brillenträger. Kontaktlinsen sollen im Labor grundsätzlich nicht getragen werden.

Schutzhandschuhe

Schutzhandschuhe

Je nach Arbeit chemikalienbeständig, hitzebeständig oder mechanisch stabil. Es gibt keinen für alle Fälle wirksamen Schutzhandschuh.

Keine generelle Handschuhpflicht, sondern anlassbezogene Verwendung: nur kurzzeitig, nie beim Hantieren mit offenen Flammen, nie außerhalb des Labors. Latex- oder Nitrilhandschuhe schützen nicht ausreichend gegen aggressive Chemikalien.

Gesichtsschild

Gesichtsschild

Durchsichtiger Schirm, der das ganze Gesicht bedeckt.

Bei Arbeiten mit erhöhter Spritzgefahr (und bei Hitze, zusammen mit hitzebeständigen Handschuhen).

Staubmaske

Staubmaske

Maske, die feine Partikel filtert.

Vermeidet die Inhalation von Pulvern und fein verteilten Feststoffen.

Atemschutzmaske

Atemschutzmaske

Vollmaske mit Filter.

Nur für Notfälle bei Gefährdung durch giftige Gase, z. B. als Eigenschutz bei der Bergung.

Sicherheitseinrichtungen im Laborsaal

Notausgang

Notausgang

Grünes Rettungszeichen, das den Fluchtweg markiert.

Bei Alarm zum nächsten Notausgang und an den Sammelpunkt außerhalb des Gebäudes.

Erste-Hilfe-Koffer

Erste-Hilfe-Koffer

Enthält keimfreie Wundauflagen, Verbandsmaterial und Einweghandschuhe.

Am ersten Praktikumstag vor Arbeitsbeginn den Standort einprägen.

Notdusche & Augendusche

Notdusche & Augendusche

Körperdusche bei großflächigem Chemikalienkontakt oder brennender Kleidung; Augendusche zum Spülen der Augen.

Bei Kontakt mit ätzenden Stoffen sofort mit Wasser spülen. Brennende Personen: Notdusche oder Löschdecke, niemals Feuerlöscher.

Brandmelder

Brandmelder

Handfeuermelder, der den Brandalarm des Gebäudes auslöst.

Beim Alarmsignal Laborsaal sofort, ruhig und geordnet räumen; darauf achten, dass niemand zurückbleibt.

Notfalldepot

Notfalldepot

Roter Schrank am Gang mit Notfallausrüstung.

Standort kennen, bevor man ihn braucht.

Notschalter Gas

Notschalter Gas

Roter Schlüsselschalter „Notabschaltung“, der die Gaszufuhr unterbricht.

Im Notfall bzw. bei Evakuierung laufende Versuche unterbrechen (Strom und Gas abschalten).

Feuerlöscher

Feuerlöscher

Wandfeuerlöscher (hier CO₂). Jeder Löscher hat ein Schriftfeld mit Löschmittel-Information und Brandklasse.

Brandklasse beachten, Brände von unten bekämpfen. Niemals auf Menschen anwenden. Löschsand erstickt kleinere Brände (auch Metallbrände), Löschdecken für brennende Kleidung.

Abzug

Abzug

Abgesaugter Arbeitsraum mit verschiebbaren Glasschiebern.

Arbeiten, bei denen gefährliche Gase entstehen können, nur im Abzug und nur mit geschlossenen Schiebern.

Bedienfeld des Abzugs

Bedienfeld des Abzugs

Funktionsanzeige: „normal“ (grün) oder „zu niedrig (Störung)“; Tasten für Summer, Licht und Absaugung.

Vor dem Arbeiten prüfen, ob die Anzeige auf „normal“ steht.

Arbeitsplatz

Arbeitsplatz

Gas: gelb, Wasser: grün, Waschbecken seitlich, robuste Arbeitsplatte, Abstellflächen oben; ggf. Inertgas Stickstoff und Vakuumsystem.

Immer sauber halten, Verunreinigungen sofort beseitigen. Am Ende den Gashahn am Arbeitsplatz abdrehen.

Entnahme und Umfüllen von Flüssigkeiten

Tropfpipette

Tropfpipette

Glasröhrchen mit Gummisauger für Kleinstmengen.

Gebrauchte Pipetten nie einfach ablegen (Kontamination des Gummisaugers).

Messpipette

Messpipette

Lange Glaspipette mit Skala zum Abmessen definierter Volumina.

Nur mit Peleusball verwenden. Entnahme mit Pipetten aus Vorratsgefäßen ist verboten.

Peleusball

Peleusball

Gummiball mit Ventilen, der auf die Pipette gesteckt wird, um Flüssigkeit anzusaugen und abzulassen.

Ermöglicht sicheres Pipettieren ohne Mundkontakt.

Trichter

Trichter

Glastrichter in verschiedenen Größen zum Umfüllen von Flüssigkeiten.

Langsam eingießen, nichts verschütten.

Spritzflasche

Spritzflasche

Kunststoffflasche mit gebogenem Röhrchen, gefüllt mit (deionisiertem) Wasser oder Alkohol.

Für chemisches Arbeiten ausschließlich deionisiertes Wasser verwenden.

Gefäße zur Handhabung von Flüssigkeiten

Reagensgläser (Eprouvetten)

Reagensgläser (Eprouvetten)

im Reagensglasständer

Kleine Glasröhrchen für Reaktionen im kleinen Maßstab.

Schütteln nur bei verschlossenem Reagensglas. Beim Erhitzen mit der Öffnung immer zur Wand zielen, niemals auf Personen.

Bechergläser

Bechergläser

Zylindrische Glasgefäße mit Ausguss in verschiedenen Größen.

Erwärmen nur mit zwischengeschaltetem Drahtnetz auf geeignetem Eisenring; auf Standsicherheit achten.

Stehkolben

Stehkolben

Eng-/Weithals

Kolben mit rundem Körper und flachem Boden.

Glasgeräte vor der Verwendung auf Sprünge prüfen.

Erlenmeyerkolben

Erlenmeyerkolben

Kegelförmiger Kolben; der enge Hals verringert Verspritzen beim Schwenken. (Auf der Folie „Erlenmayerkolben“ geschrieben.)

Schwenken kann gleichzeitig mit dem Zutropfen geschehen.

Standflaschen

Standflaschen

Beschriftete Vorratsflaschen für Lösungen, mit Stopfen.

Stopfen nicht mit dem unteren Teil ablegen (Kontaminationsgefahr). Vor der Entnahme immer das Etikett kontrollieren.

Erwärmen von Flüssigkeiten

Teclu-BrennerTeclu-Brenner (Detail)

Teclu-Brenner

Gasanschluss über Schlauch, Luftzuführung über Regulierschraube, Regulierung des Gasstroms über Ventilschraube. Teile: Mischrohr, Düse.

Standsicher aufstellen, Gasschlauch gut befestigen, am Ende immer auch den Gashahn abdrehen. Direkt nur Reagensgläser erhitzen. Brennbare Flüssigkeiten nie mit offener Flamme erwärmen.

Reagensglas über der Flamme

Reagensglas über der Flamme

mit Reagensglashalter

Reagensglas im Holzhalter wird direkt in der Flamme erhitzt.

Gefahr Siedeverzug: langsam erwärmen, Flüssigkeit bewegen (Schwenken), Siedesteinchen verwenden. Öffnung zur Wand richten.

Wasserbad

Wasserbad

Wassergefülltes Gefäß auf der Heizplatte; das Gefäß mit der Probe steht im Wasser.

Schonendes, gleichmäßiges Erwärmen bis ca. 100 °C.

Ölbad

Ölbad

Metallschale mit Öl zum Erwärmen über 100 °C.

Heißes Öl verursacht schwere Verbrennungen; vorsichtig hantieren.

Elektrische Heizplatte

Elektrische Heizplatte

hier mit Magnetrührer

Elektrisch beheizte Platte; das abgebildete Gerät kann zusätzlich rühren.

Keine Flamme, aber die Oberfläche bleibt nach dem Ausschalten lange heiß.

Sandbad

Sandbad

Wanne mit Sand auf einer Heizung für gleichmäßiges Erwärmen bei hohen Temperaturen.

Sand bleibt lange heiß.

Heizhaube

Heizhaube

Gewebehaube, die einen Rundkolben umschließt und elektrisch beheizt.

Passend zur Kolbengröße; keine offene Flamme nötig.

Handhabung von Feststoffen

Spatel / Löffel

Spatel / Löffel

Zur Entnahme von Feststoffen aus Vorratsgefäßen.

Auf Sauberkeit achten (Kontamination). Flüssigkeiten mit dem Glasstab rühren, nicht mit dem Spatel.

Pulvertrichter

Pulvertrichter

Weithalsiger Trichter zum Einfüllen größerer Feststoffmengen.

Bei feinen Pulvern Staubmaske verwenden.

Reibschale mit Pistill

Reibschale mit Pistill

Porzellanschale mit Stößel zum Zerkleinern von Feststoffen.

Staubentwicklung vermeiden.

Trocknen von Feststoffen

Exsikkator

Exsikkator

Dickwandiges Glasgefäß, durch einen Deckel mit Planschliff (meist mit Schlifffett) luftdicht verschlossen. Auf der Siebplatte (Keramik) das Trockengut, darunter das Trocknungsmittel.

Vorsicht beim Öffnen: Planschliffe sind oft schwer zu trennen, Glasbruch möglich. Die richtige Technik wird vor der ersten Verwendung vorgezeigt.

Vakuumexsikkator

Vakuumexsikkator

Exsikkator mit Hahn, der evakuiert werden kann, um die Trocknung zu beschleunigen.

Implosionsgefahr: nur dickwandige bzw. gewölbte Glasgefäße evakuieren, vorher Sichtprüfung, Transport nur im Tragekorb.

Aufbau von Apparaturen

Klemmen

Klemmen

Halten die Glasteile einer Apparatur.

Mit Kork oder Kunststoff gepolstert und nicht zu fest angezogen (Bruchgefahr).

Greifer

Greifer

Verstellbarer Halter mit gepolsterten Backen für Kolben und Rohre.

Gepolstert, nicht zu fest anziehen.

Kreuzmuffen / Doppelmuffen

Kreuzmuffen / Doppelmuffen

Verbinden Klemmen und Greifer mit der Stativstange.

Immer mit der offenen Seite nach oben montieren.

Stative

Stative

Stangen auf schwerem Fuß (Dreifuß oder Platte), die die Apparatur tragen.

Schwerpunkt beachten (Kippgefahr). Wenn möglich fix montierte Stativgerüste am Arbeitsplatz oder im Abzug verwenden.

Schliffverbindung mit Schliffklemme

Schliffverbindung mit Schliffklemme

Besteht aus Kern und Hülse in genormten Größen, gesichert durch eine Schliffklemme aus Kunststoff oder Metall.

Ausreichend fetten (Schliff wird klar). Festsitzende Schliffe mit Heißluftgebläse erwärmen und durch Drehen trennen; festsitzende Schläuche längs anschneiden. Keine übermäßige Kraft.

Stopfen mit BohrungStopfen mit Bohrung (Detail)

Stopfen mit Bohrung

mit Glasrohr

Gummistopfen mit Bohrung zur Durchführung von Rohren oder Thermometern.

Besonders gefährlich: Rohr kurz halten (Hebelwirkung), Hände schützen (Arbeitshandschuhe/Tuch), mit Glyzerin schmieren, wo möglich schraubbare Durchführungen verwenden.

Kühlen

Dewar-Gefäß

Dewar-Gefäß

Isoliergefäß für tiefkalte Mischungen, z. B. flüssiger Stickstoff (−196 °C) oder Isopropanol/Trockeneis (−78 °C). Muss fest ummantelt sein (Schutz vor Bruch).

Gefüllt niemals fest verschließen (Zerplatzen). Nicht gemeinsam mit Personen im Lift transportieren (Erstickungsgefahr). In flüssigem N₂ kann Sauerstoff auskondensieren (bläulich, starkes Oxidationsmittel).

Abfallsammlung (Teil 2)

Kanister „Schwermetalle“

Kanister „Schwermetalle“

wässrige Lösung, sauer

Für alle wässrigen Lösungen mit Schwermetallen; die Lösung wird sauer gehalten.

Nichts davon in den Abfluss. Es kann H₂ entstehen: Kanister im Abzug aufbewahren, nicht gasdicht verschließen. Keine Metallsulfide (H₂S-Freisetzung).

Kanister „Sulfide“

Kanister „Sulfide“

keine sauren Abfälle

Für neutralisierte wässrige Lösungen mit Sulfiden.

Keine sauren Abfälle einfüllen. Im Abzug, nicht gasdicht verschlossen, da trotzdem H₂S frei werden kann.

Lösungsmittel halogenfrei

Lösungsmittel halogenfrei

< 2 w-% Chlor

Organische Lösungsmittelgemische mit weniger als 2 w-% Chlor.

Flüchtig und leicht entzündlich: im Abzug, nicht gasdicht, kühl lagern. Jede Form von Halogen zählt, auch anorganische Chloride und Bromide.

Lösungsmittel halogenhaltig

Lösungsmittel halogenhaltig

> 2 w-% Chlor

Organische Lösungsmittel mit mehr als 2 w-% Chlor (z. B. CH₂Cl₂, CCl₄).

Verbrennung bei 600–700 °C bildet Dioxine; daher Wirbelschichtofen bei ca. 1.000 °C – teurer.

Gefahrenpiktogramme

GHS-Symbole (rote Raute, Globally Harmonised System) gelten weltweit gleich und sind seit Dez. 2012 verpflichtend (CLP-Verordnung 1272/2008). Das kleine orange Quadrat ist das alte EU-Gefahrensymbol, das man auf Altbeständen noch findet. Es gibt keine eindeutige Äquivalenz zwischen beiden Systemen.

GHS01 Explosionsgefahraltes EU-Symbol: Explosionsgefahr

GHS01

Explosionsgefahr

Explodierende Bombe

Instabile explosive Stoffe, Gemische und Erzeugnisse mit Explosivstoffen, selbstzersetzliche Stoffe.

Explosive Substanzen dürfen im normalen Laborbetrieb nicht hergestellt werden.

GHS02 Entzündlichaltes EU-Symbol: Entzündlich

GHS02

Entzündlich

Flamme

Flammpunkt unter 23 °C. Die alten Stufen F+ (hochentzündlich) / F (leicht entzündlich) stehen nach GHS nur noch in den H-Sätzen.

Getrennt von brandfördernden Stoffen lagern; Zündquellen fernhalten.

GHS03 Brandförderndaltes EU-Symbol: Brandfördernd

GHS03

Brandfördernd

Flamme über Kreis

(Starke) Oxidationsmittel, die eine Verbrennung auch ohne Luftsauerstoff aufrechterhalten, z. B. 30 % H₂O₂, rauchende HNO₃, KMnO₄.

Nicht mit „entzündlich“ verwechseln – nie gemeinsam lagern!

GHS04 Gase unter Druckkein altes EU-Symbol

GHS04

Gase unter Druck

Gasflasche

Verdichtete, verflüssigte oder gelöste Gase. Kein äquivalentes EU-Symbol. Besondere Vorsicht bei tiefkalten Gasen.

Fl. N₂ −196 °C (77 K), fl. O₂ −183 °C (90 K), Trockeneis −78 °C (195 K), fl. He −269 °C (4 K).

GHS05 Ätzendaltes EU-Symbol: Ätzend

GHS05

Ätzend

Ätzwirkung

Säuren und Laugen; gefährdet Haut, vor allem Augen und Schleimhäute; auf Metalle oft korrosiv.

Säurefeste Handschuhe und Schürze; bei größeren Mengen Auffangwannen.

GHS06 Akut toxischaltes EU-Symbol: Akut toxisch

GHS06

Akut toxisch

Totenkopf

Die alte Einstufung T (giftig) / T+ (hochgiftig) ist den H-Sätzen zu entnehmen.

Im Praktikum nur unter Anleitung und Aufsicht; Lagerung im Giftschrank, Aufzeichnung im Giftbuch.

GHS07 Reizend, gesundheitsgefährdendaltes EU-Symbol: Reizend, gesundheitsgefährdend

GHS07

Reizend, gesundheitsgefährdend

Ausrufezeichen

Die beigefügten H-Sätze beschreiben das Risiko genauer.

Auch das alte EU-Symbol (Xi/Xn) war mehrdeutig.

GHS08 Gesundheitsgefährdend, latent organschädigendaltes EU-Symbol: Gesundheitsgefährdend, latent organschädigend

GHS08

Gesundheitsgefährdend, latent organschädigend

Gesundheitsgefahr

Krebserregend, erbgutverändernd, reproduktionstoxisch, Organschäden.

Schäden oft erst nach langer Latenzzeit. Altes EU-Symbol: „minder giftig“.

GHS09 Umweltschädigend, gewässergefährdendaltes EU-Symbol: Umweltschädigend, gewässergefährdend

GHS09

Umweltschädigend, gewässergefährdend

Umwelt

Akute oder längerfristige Schadwirkung auf Boden und Wasserorganismen, z. B. Insektizide, Ammoniak.

Niemals in den Abfluss.

Verbotszeichen (Teil 1)

Lebensmittel haben im Labor nichts zu suchen
Essen und Trinken verbotenLebensmittel haben im Labor nichts zu suchen
Generelles Rauchverbot
Rauchen verbotenGenerelles Rauchverbot
Handy im Spind lassen, Kopfhörer runter
Mobiltelefone verbotenHandy im Spind lassen, Kopfhörer runter
Zusätzliche Einschränkung in bestimmten Labors
Kein Zutritt mit HerzschrittmacherZusätzliche Einschränkung in bestimmten Labors

Wichtige Fakten – Teil 1

Sicheres Arbeiten im Labor: Verhaltensregeln, Schutzmaßnahmen, Umgang mit Geräten und Chemikalien, spezielle Gefahren, Notfall.

Allgemeine Verhaltensregeln

  • Keine Lebensmittel, generelles Rauchverbot; Mobiltelefone im Spind, Kopfhörer runter.
  • Überbekleidung und Taschen bleiben im Spind. Vorbereitet erscheinen, ruhig und überlegt arbeiten, nicht laufen.
  • Alleinarbeitsverbot. Im Praktikum nur bei Anwesenheit von Lehrpersonal arbeiten.
  • Experimente mit Überwachungsbedarf: Arbeitsplatz nicht verlassen, im Notfall Kollegen mit der Überwachung betrauen.
  • Schwangere und Stillende: kein Arbeiten mit Gefahrstoffen; Praktikumsleitung informieren.

Kleidung und Kontamination

  • Geschlossene Schuhe, lange Beinbekleidung, keine wallenden Tücher, lange Haare hochstecken oder binden.
  • Chemikalien (auch Proben) dürfen nicht aus dem Laborsaal gebracht werden.
  • Mit Handschuhen keine Alltagsgegenstände berühren (Schreibzeug, Tastaturen, Türklinken).
  • Bei nicht hautgängigen Chemikalien (verdünnte wässrige Lösungen) sind Handschuhe meist unnötig: geeignete Arbeitstechnik, häufiges Händewaschen, Hautpflege.

Einrichtungen im Laborsaal

  • Leistungsfähiges Zuluft/Abluft-System (permanenter Luftaustausch).
  • Flüssiger Abfall: Schwermetalle; organische Lösungsmittel halogeniert / nicht halogeniert.
  • Fester chemischer Abfall (z. B. Filterpapier) in speziellen Behältern – kein Hausmüll.
  • Glasbruch in eigenen Sammelbehältern.
  • Für chemisches Arbeiten ausschließlich deionisiertes Wasser.

Umgang mit Chemikalien

  • Vorratsgefäße für den allgemeinen Gebrauch stehen im Abzug und dürfen nicht an den Arbeitsplatz mitgenommen werden.
  • Entnahme mit Pipetten verboten – in Becher- oder Reagensgläser umleeren. Sparsam entnehmen; nichts zurückgeben.
  • Rühren mit Glasstab (nicht mit Spatel); schütteln nur bei verschlossenem Reagensglas.
  • Beim Verdünnen konzentrierter Säuren und Lösen von Alkalihydroxiden wird Wärme frei: Säure langsam unter Rühren in Wasser gießen.

„Erst das Wasser, dann die Säure, sonst geschieht das Ungeheure.“

Siedeverzug

  • Flüssigkeit wird über den Siedepunkt erhitzt, dann bildet sich plötzlich eine große Gasblase → heftiges Verspritzen.
  • Gefahr vor allem bei engen, hohen Gefäßen und schnellem Erhitzen.
  • Vorsichtsmaßnahmen: langsam erwärmen, Flüssigkeit bewegen (Rühren, Schwenken), Siedesteinchen.
  • Öffnung des Reagensglases immer zur Wand, niemals auf Personen.

Glasbruch

  • Schnittverletzungen gehören zu den häufigsten Unfällen im chemischen Labor.
  • Glasgeräte vor Verwendung auf Sprünge prüfen; beschädigte nicht verwenden; nie viel Kraft einsetzen; punktförmige Belastung vermeiden.
  • Rohre brechen beim Verbiegen und Verdrehen besonders leicht.
  • Dickwandige Gefäße springen bei thermischer Belastung und dürfen nicht erwärmt werden.

Ätzende und giftige Stoffe

  • Schwere einer Verätzung hängt von Konzentration, Menge und Dauer der Einwirkung ab.
  • Erste Hilfe: sofort mit Wasser spülen (Notdusche bei großflächigem Kontakt), getränkte Kleidung entfernen, Augen mit Augendusche spülen, keimfrei abdecken, Basismaßnahmen, Notruf.
  • „Die Dosis macht das Gift.“ Akute vs. chronische Vergiftung; krebserregende Stoffe wirken nach langer Latenzzeit.
  • Inkorporationswege: oral, dermal, inhalativ (Information über H-Sätze).
  • Vergiftung: Lebensfunktionen sichern, Notruf, Vergiftungsinformationszentrale 01/406 43 43 (was? wieviel? wer? wann? wo?).
  • Kein Erbrechen auslösen bei Bewusstlosigkeit, ätzenden Substanzen, mehr als 4 Stunden zurückliegender Vergiftung, schaumbildenden Substanzen.

Brandgefahr

  • Flammpunkt: niedrigste Temperatur, bei der sich ein zündfähiges Dampf/Luft-Gemisch bildet; ohne Zündquelle erlischt die Flamme.
  • Brennpunkt: Verbrennung läuft auch nach Entfernen der Zündquelle weiter.
  • Flammpunkt unter 23 °C → Flammensymbol (leicht- bzw. hochentzündlich).
  • Selbstentzündlich: entzündet sich bei Kontakt mit Luft oder Wasser. Brandfördernd: Oxidationsmittel, Verbrennung auch ohne Luftsauerstoff.
  • Löschen durch Kühlung oder Sauerstoffentzug; Brände von unten bekämpfen; beginnen, solange der Brand klein ist; Selbstschutz!

Brandklassen und Löschmittel

Brandklassen A, B, C, D, F
  • A feste Stoffe mit Glutbildung (Holz, Papier, Textilien, Autoreifen)
  • B flüssige oder flüssig werdende Stoffe (Aceton, Ether, Alkohol, Benzin, Öle, Wachse)
  • C Gase (Acetylen, Methan, Propan, Wasserstoff)
  • D Metalle (Al, K, Li, Mg, Na)
  • F Speiseöle und -fette
LöschmittelABCD
Wasser✓
Wasser mit Schaummittel✓✓
Flammbrandpulver (BC)✓✓
Glutbrandpulver (ABC)✓✓✓
Metallbrandpulver (D)✓
CO₂✓✓

Explosion, Gase, Kälte, Verletzungen

  • Explosion: zerstörerische Druckwelle. Verpuffung: rasche Volumenzunahme ohne zerstörerische Druckwelle.
  • Gefährlich: starke Oxidationsmittel mit leichtentzündlichen Flüssigkeiten, große Volumina entzündbarer Gas/Luft-Gemische (H₂ + O₂).
  • Gasentwicklung: Abzug, keine hohen engen Gefäße, bei geschlossenen Apparaturen immer Druckausgleich.
  • Kühlmittel: Eis/Kochsalz bis −21 °C, Isopropanol/Trockeneis bis −78 °C, flüssiger Stickstoff −196 °C.
  • Erfrierungen: Kleidung, Schuhe entfernen; schnell mit lauwarmem Wasser wiedererwärmen.
  • Verbrennungen: brennende Kleidung löschen, nicht verklebte Kleidung entfernen, 10–15 Min mit handwarmem Wasser kühlen, keimfrei bedecken, warmhalten, Notruf.
  • Starke Blutung: Körperteil hochhalten, Druck mit keimfreier Wundauflage (Einweghandschuhe!) oder Druckverband, Notruf. Fremdkörper nicht entfernen.

Verhalten im Notfall

  • Reihenfolge: Alarmieren → Unfallstelle absichern und bergen (Selbstschutz!) → Erste Hilfe → Notruf so früh wie möglich.
  • Euro-Notruf 112 · Feuerwehr 122 · Polizei 133 · Rettung 144.
  • Was ist passiert? Wo? Wie viele Betroffene? Rückfragen abwarten.
  • Bei Bewusstsein: z. B. Blutstillung, Basismaßnahmen. Bewusstlos mit Atmung: stabile Seitenlage, Atmung überwachen. Atem-/Kreislaufstillstand: Beatmung und Herzdruckmassage.
  • Basismaßnahmen: beruhigen, Frischluft, situationsangepasste Lagerung, warm halten.
  • Alarm: Laborsaal sofort räumen, Versuche unterbrechen (Strom und Gas aus), nächster Notausgang, Sammelpunkt außerhalb.

Wichtige Fakten – Teil 2

Chemikalien – Umgang und Entsorgung: Regeln, Kennzeichnung, Säuren und Laugen, Gifte, Schwermetalle, Abfall.

Grundsätze

  • ArbeitnehmerInnenschutzgesetz (ASchG 1994): gilt nicht für Studierende, die Richtlinien sind aber immer anwendbar.
  • Verringerung von Gefahren durch Substitution → technische → organisatorische → persönliche Maßnahmen. Es bleibt immer ein Restrisiko.
  • Substitution ist im Labor selten möglich (Beispiel: Toluol statt Benzol).
  • Alles im gebundenen Laborjournal dokumentieren, Auffälliges dem Saaldienst melden, Anordnungen befolgen. Verstöße führen zum Laborverweis.

Kennzeichnung

  • Jedes Gefäß beschriften, das man aus der Hand gibt (wasserfester Marker, bevorzugt schwarz); Beschriftung nach Entleeren und Reinigen entfernen.
  • Etikett vor der Entnahme kontrollieren; leeres Gefäß vor Verwendung prüfen.
  • H-Sätze (früher R-Sätze): H2xx physikalische, H3xx Gesundheits-, H4xx Umweltgefahren.
  • P-Sätze (früher S-Sätze): P1xx Allgemeines, P2xx Prävention, P3xx Reaktion.
  • EUH-Sätze erhalten Angaben der alten R-Sätze (z. B. EUH066 spröde/rissige Haut). EUH059 wurde durch H420 (Ozonabbau) ersetzt.
  • Aktuellstes Sicherheitsdatenblatt über die CAS-Nummer suchen (Quelle prüfen!).

Wichtige Codes

  • H225 Flüssigkeit und Dampf leicht entzündbar · H226 entzündbar
  • H290 gegenüber Metallen korrosiv · H314 schwere Verätzungen der Haut und schwere Augenschäden
  • H300 / H310 / H330 Lebensgefahr beim Verschlucken / Hautkontakt / Einatmen; H301/311/331 giftig; H302/312/332 gesundheitsschädlich
  • H340 genetische Defekte · H350 kann Krebs erzeugen (H350i beim Einatmen)
  • H400 sehr giftig für Wasserorganismen; H410–413 mit langfristiger Wirkung
  • P210 von Hitze und Zündquellen fernhalten · P263 Kontakt während Schwangerschaft/Stillzeit vermeiden · P310 sofort Giftinformationszentrum/Arzt anrufen
  • Beispiel Aceton: H225-319-336, EUH066, P210-233-305+351+338.

Brennbar + brandfördernd

  • „Entzündlich“ (GHS02) nicht mit „brandfördernd“ (GHS03) verwechseln – nie gemeinsam lagern!
  • Explosive Atmosphäre: brennbarer Stoff in geschlossenem Volumen, im Beisein eines Oxidationsmittels + Zündung (Funke, Erwärmen über die Zündtemperatur).

Mineralsäuren

  • Starke Säuren, in Wasser vollständig dissoziiert, alle ätzend und korrosiv.
  • HCl: über konzentrierter Säure viel gasförmiges HCl → Abzug (rauchend 37 %, konz. 32 %). H290-314-335.
  • HF: eher schwache Säure (pKS 3,14), aber sehr aggressiv, hochgiftig (H300+310+330), greift Glas und Quarz an (SiF₄). Fluoride + starke Säure setzen HF frei.
  • HNO₃: zerstört Proteine, färbt Haut gelb (Xanthoproteinreaktion); braune Schwaden beim Erwärmen → Abzug; stark oxidierend. Rauchend bis 100 %, konz. 65 %.
  • H₂SO₄: zähflüssig, reagiert heftig mit Wasser, verkohlt z. B. Zucker; unter 100 °C keine gasförmigen Spezies; zersetzt sich bei ca. 330 °C.
  • Königswasser: HCl + HNO₃ 3:1, immer frisch, löst Gold und Platin, kein Straßentransport, kein Sicherheitsdatenblatt.
  • Nitriersäure: H₂SO₄ + HNO₃ 2:1, nitriert organische Verbindungen (oft hochexplosiv), nur unter Eiskühlung kontrolliert.

Laugen, NH₃, H₂S

  • NaOH: starke Base; starke Erwärmung beim Lösen, Aerosolbildung möglich; konz. NaOH greift Glas und Quarz an; reagiert mit CO₂.
  • NH₃-Gas: in Druckgasflaschen (flüssig), entzündbar, giftig. Konz. Lösung bis 30 %; Salmiak 5 % als Reinigungsmittel.
  • Säuren und Laugen: gleiches Symbol, aber Neutralisationswärme → Sieden, Aerosole. Zusammenlagerungsverbot; im Labor nur Tagesbedarf in dicht geschlossenen Flaschen.
  • H₂S: hochgiftig, Geruch nach faulen Eiern; Sulfide + starke Säuren setzen H₂S frei.

Gifte

  • Paracelsus: „allein die Dosis macht’s“. LD50: Dosis, bei der 50 % einer Versuchstierpopulation sterben. MAK-Wert: maximale Arbeitsplatzkonzentration (berücksichtigt chronische Effekte).
  • Oral: kein Essen/Trinken, Hände waschen. Dermal: Hautkontakt vermeiden, geeignete Handschuhe. Inhalativ (Gase, Aerosole, Stäube, Fasern, Nanopartikel): Abzug, im Notfall Atemschutz.
  • Gifte wirken oft selektiv, z. B. CO bindet an Hämoglobin.
  • Akut giftige Stoffe nur an qualifizierte Personen (Giftbezugsschein); Giftschrank; Giftbuch. Studierende nur unter Anleitung und Aufsicht.

Schwermetalle und Oxidationsmittel

  • Gefährlichkeit hängt von Oxidationsstufe und Bindungsart ab: Cr₂O₃ (Cr III) weitgehend inert; Cr(VI) (Ammoniumdichromat) toxisch, krebserregend, mutagen, teratogen.
  • Ba²⁺-Salze hochgiftig, schwerlösliches BaSO₄ aber als Röntgen-Kontrastmittel unbedenklich.
  • Hg in allen Oxidationsstufen hochgiftig (Methylquecksilber reichert sich an, schädigt Nerven). Ni löst Allergien aus.
  • AgNO₃: schwarzbraune Flecken auf der Haut (Ag bzw. Ag₂S).
  • KMnO₄ (Mn +VII) oxidiert Salzsäure zu Chlor!
  • H₂O₂ greift Körpergewebe an (weiße juckende Flecken); Augen schützen. Konz. 30 %, verdünnt 3 %.

Abfallentsorgung

  • AWG 2002: Vermeidung, Wertstoffgewinnung, thermische Nutzung, geringe Deponiemengen. Vermischungsverbot und Verdünnungsverbot.
  • Schwermetall-Lösungen: immer sammeln, sauer halten, im Abzug, nicht gasdicht, keine Sulfide.
  • Sulfid-Lösungen: neutralisieren, eigener Kanister, keine sauren Abfälle.
  • Komplexbildner (EDTA, Sulfosalicylsäure) halten Metalle in Lösung und werden in der Kläranlage nicht zurückgehalten → getrennte Sammlung.
  • Andere wässrige Abfälle ins Abwasser nur, wenn ungiftig, nicht reaktiv und pH 1–10.
  • Organische Lösungsmittel: halogenfrei (< 2 w-% Cl) bzw. halogeniert (> 2 w-%), im Abzug, nicht gasdicht, kühl.
  • Glasabfall nach Glasart, Reinheit und Qualität trennen (Restmüll, Altglas, Laborglas).
  • Lithium-Batterien/-Akkus getrennt sammeln; Kontakte mit Klebeband isolieren (Brandgefahr).

Selbsttest

Fragen aus beiden Foliensätzen in zufälliger Reihenfolge. Wähle eine Antwort, um die Erklärung zu sehen.